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    Liquid Penguin & Artistes actuels:
«  Un, deux, trois, quatre… dix. Allô, allô !  »


mit
Katharina Bihler (Text, Stimme), Sosana Marcelino (Choreografie, Tanz), Siriltiebo (Text, Stimme), Stefan Scheib (Soundkomposition)

« Un deux, trois, quatre… dix. Allô, allô ! Ici poste radiotélégraphique et radiotéléphonique de Laeken, près de Bruxelles. Messsieurs les amateurs de télégraphie sans fil, nous allons vous faire entendre un concert dédié à sa Majesté la Reine Elisabeth. »

Am 28. März 1914 sendete die Experimentierwerkstatt für Funktelegrafie auf dem königlichen Schlossgelände in Laeken bei Brüssel ein Radiokonzert zu Ehren der belgischen Königin. Es war der Auftakt zur ersten regelmäßigen Radiosendung der Welt, denn ab sofort wurden jeden Mittwoch und Samstag solche Konzerte ausgestrahlt. Der Erste Weltkrieg hat diese von Lust und Erfindergeist geprägte Unternehmung jäh abgebrochen.




 

 




Video-Ausschnitte auf vimeo:

Kap/chap "Mary Wigman"

Kap/chap "die Königin / la reine"

 

   

 

Diese erste Radiosendung bildet den Ausgangspunkt der Performance, die sich für die schöpferischen Menschen der Vorkriegszeit interessiert und für den Ideenreichtum und die Kreativität der künstlerischen und sozialen Strömungen, die diese repräsentieren: quer durch die Avantgarden, von Expressionismus bis Futurismus und schon die Vorläufer des Dada streifend, zwischen Brüssel, Paris, München, Berlin, London und Rom.
Die Performance spiegelt diese Zeit vor hundert Jahren in Text, Tanz, Sound und Performance: Die deutschen Texte von Katharina Bihler rekonstruieren die erwähnte erste Radiosendung und reflektieren Geschichte und Philosophie dieses Mediums, das noch in den Kinderschuhen steckte, die Faszination unsichtbarer Wellen, die nun erstmals mit geeigneten Apparaten eingefangen werden konnten, die Faszination, Distanzen mit einem quasi immateriellen Medium überbrücken zu können.
Die französischen Texte von Siriltiebo verarbeiten biografische Schlüsselszenen von Frauen, die in dieser Zeit lebten, arbeiteten, wirkten oder litten – darunter die Futuristin Valentine de Saint-Point, die Bildhauerin Camille Claudel, die Friedensforscherin Bertha von Suttner sowie die Figur der Tosca aus Puccinis gleichnamiger Oper. Sie waren für den Krieg oder gegen den Krieg, sie suchten neue Formen in der Kunst, strebten nach Emanzipation im Privaten und Politischen, Befreiung von klassischen Konventionen, etwa im Tanz, und wurden so wegweisend bis heute.
Tanz und Chroeografie von Sosana Marcelino sind von den großen Innovationen und Innovatorinnen dieser Zeit inspiriert, wie etwa die Wegbereiterin des modernen Ausdruckstanzes Mary Wigman: der tanzende Körper, der die klassischen Konventionen sprengt, Tabus bricht, einen freien und natürlichen Ausdruck findet und verteidigt, durch den sich der weiblichen Körper befreit.
Auch Krach und Klang emanzipierten sich in dieser Zeit als eine „Kunst der Geräusche“ (Luigi Russolo) und fanden Eingang in die Musik, wurden in Lautgedichten verarbeitet und bisweilen als akustischer Prolog auf den aufziehenden Krieg verherrlicht. Stefan Scheib bezieht sich darauf in seiner Musik: eine klangliche Dekonstruktion/Rekonstruktion der ersten Radiosendung, unter Verwendung von historischen Aufnahmen.



Produktion: Liquid Penguin Ensemble und Artistes actuels

« Un, deux, trois, quatre… dix. Allô, allô ! » ist Teil der Veranstaltungsreihe „Courage“ des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes.

in Koproduktion mit Espace Bernard Marie Koltès / Théâtre du Saulcy - Scène Conventionnée Théâtre-Ecritures Contemporaines - Metz

mit freundlicher Unterstützung des Conseil Régional, der Union Stiftung, der Saarland-Sporttoto GmbH sowie der Saarland-Spielbank GmbH.